KinderGeld-Fail 1/2019 – Müll zu Geld

Ich hatte mal gehört und wurde in einem Kölner Tatort daran erinnert, dass Müll ein Riesengeschäft ist. Müll haben wir. Wie machen wir jetzt ein Riesengeschäft für unser Tropical-Island-Glas daraus?

Da ein Teil meines Berufes aus Bücherschreiben besteht, fällt recht viel Altpapier an. Im Keller lagern Kartons mit Fehldrucken oder mit Werbung zur Neuerscheinung eines Buches, das seit 3 Jahren auf dem Markt ist. Also dachte ich: Papier ist Rohstoff, das kann man bestimmt als Altpapier verkaufen. Vor Jahren hat mein Vater mal eine Aktion initiiert, bei der er Unmengen an Zeitungspapier aus dem halben Dorf gesammelt und es dann zu Isofloc gefahren und verkauft hat. Isofloc verarbeitete das Zeitungspapier zu Dämmstoff für Häuser. Und mein Vater bekam Geld, das er dann spendete. Aber wir haben leider nicht genügend Zeitungen.

Also recherchierte ich, wohin ich mein Altpapier bringen könnte und ab welchen Mengen es sich so lohnt, dass wir etwas Geld ins Tropical-Island-Glas tun können. Interessanterweise gibt es in den östlichen Bundesländern viele Aufkaufstellen für Wertstoffe von Privatleuten, nicht nur für Papier, sondern auch für Altkleider, CDs, Geschirr, Glas usw. In den westlichen Bundesländern ist das nicht so verbreitet. In Paderborn etwa gibt es Stellen, an denen man seine Wertstoffe abgeben kann, aber fast immer muss bei größeren Mengen sogar bezahlt werden und man bekommt nichts dafür, außer, es ist Altmetall. Das ist natürlich nicht das, was wir wollen.

Der nächste Ankäufer ist in 175 Kilometern Entfernung. Gut, das könnten wir mit einem Ausflug verbinden und irgendeine Sehenswürdigkeit Thüringens zum Zweitziel der Aktion erklären. Es ist jedenfalls nicht zu weit für morgens hin – abends zurück. Wir müssen allerdings die Spritkosten berücksichtigen, außerdem mindestens einmal Sanifair. Wir hätten ca. 40€ an Kosten. Für ein Kilo Altpapier werden 5ct bezahlt. Wir bräuchten also 800 Kilo Altpapier, um die Fahrtkosten wieder reinzuholen. Ein schneller Blick auf mein Altpapier: Das sind keine 800 Kilo. Wir müssten bei Freunden und Familie um deren Altpapier bitten. Außerdem schwant mir, dass unser Zafira gar nicht so viel zuladen darf – und der Schwan hat recht. Wir bräuchten also einen Anhänger. Selbst im besten Fall, dass jemand uns kostenlos seinen Anhänger überlässt, würden die Spritkosten steigen, ich schätze, um ca. 7€. Das heißt, wir müssten nicht nur 800kg auftreiben, sondern fast 1000, damit wir die Kosten wieder drin haben. Und wir wollen ja was verdienen, sagen wir, mit dem Faktor 2,4. 2,4 Tonnen Altpapier müssten wir folglich nach Thüringen karren. Das wäre eine längere Sammelaktion und ein größerer Organisationsaufwand, als ich es mir vorgestellt habe.

Für diejenigen unter Euch, die nicht weit von so einer Ankaufstelle entfernt leben, kann es aber natürlich eine gute Option für ein paar Euro sein.

Ankaufstellen: https://www.altpapierkauf.de/filialfinder.php

Also: Das machen wir lieber nicht. Vielleicht wiegen wir stattdessen unser Altmetall aus. Oder machen was anderes mit dem Altpapier, Inspiration gibts genug:

Blogs:

https://www.handmadekultur.de/projekte/altpapier

https://blog.atomlabor.de/2011/09/kunst-wohin-mit-dem-altpapier.html

https://papierkunstbysocke.jimdofree.com/

https://www.kulturrucksack.nrw.de/veranstaltung/verwandlungskuenstler-papier-aus-altpapier-wird-kunst

https://www.resorti.de/blog/altpapier-altkarton-entsorgen/

KinderGeld-Tipp 1/2019

Bücher rezensieren

Wir haben in „KinderGeld“ und den beiden folgenden Projekten beobachtet, dass „irgendwas mit Büchern“ immer zu unseren Kerngeschäften gehört. Wir haben gelesene Bücher verkauft, die Verwandtschaft ermuntert, uns ausgelesene Bücher zum Verkauf zu überlassen, ein Buch selbst geschrieben und verkauft, die Verwandtschaft ermuntert, das Buch auch zu kaufen, also: Mit den Büchern kamen wir ein großes Stück weiter.

Allerdings haben wir auch festgestellt, dass wir ganz schön viel Geld für Bücher ausgeben. Also fragten wir uns, wie wir weiterhin genügend Lesestoff haben, aber bei der Anschaffung sparen.

Klassisch habt Ihr bestimmt selbst die Antwort: Bibliothek statt Buchhandel. Das hat sich bei uns allerdings nicht als wirtschaftliche Lösung herausgestellt, denn wir sind prima Ausleiher, aber schlechte Zurückgeber, so dass Mahngebühren anfielen. Vermeidbar, wir wissen es, aber schaffen es nicht, danach zu handeln. Zumal es auch bedeutet, im Zweifel für ein fälliges Buch von unserem ländlichen Wohnsitz in die Stadt zu fahren (Tankkosten!) und dort einen Parkplatz zu mieten (Parkticket!), und garantiert hat dann eines der Mädchen Hunger oder Durst oder beides und die anderen sollen nicht benachteiligt werden (Essen/Trinken to go! Vermeidbar, wir wissen es). Also ist mein Fazit zum Sparmodell Bibliothek: für fristenbewusste Stadtbewohner eine gute Sache. Für Landbewohner mit hohem Lesebedarf und schlechtem Fristmanagement keine wirkliche Ersparnis.

Der zweite Weg führte über gebrauchte Bücher. Klar, klassisch auf dem Flohmarkt, aber auch über diverse online-Plattformen. Wir profitierten also von beiden Seiten des Handels mit gebrauchten Büchern. Hier haben wir sicherlich unser Budget geschont. Weiß jemand eigentlich, was aus Bookcrossing und anderen Tauschplattformen geworden ist? Ich nutzte das vor ca. 5 Jahren, dann gab es allerlei Probleme mit Datenschutz und Kosten usw. und die Plattformen wurden geschlossen. Sind sie wieder auf? Außerdem fiel mir zum Thema „Handel mit gebrauchten Büchern“ ein, dass die Buchhändler ja so sehr klagen, dass alle die Bücher nur noch bei amazon kaufen. Die Statistiken zeigen, dass der Effekt eigentlich nicht so schlimm ist wie andere online-Möglichkeiten, nämlich eben jene Gebrauchtbuchmärkte und die direkten Verlagsbestellungen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Der dritte Weg brachte uns zur Neuware. Wir suchten nach Buchneuerscheinungen, die uns interessierten, und boten Verlagen und Autorinnen an, Rezensionen zu verfassen. Dafür bekamen wir das jeweilige Buch dann kostenlos zugeschickt. Wir lasen, besprachen miteinander, was uns gefiel und was nicht, verfassten eine Bewertung und posten die auf amazon, in Foren, auf Websites. Das war eine schöne Arbeit; zudem übten wir, nach welchen Kriterien uns eigentlich Bücher und Geschichten gefallen, es war gemütlich, beieinanderzusitzen und über Bücher zu sprechen – und wir haben gespart.

50€ für ca. 4 Bücher sind in die KinderGeld-Kasse gewandert.

Voraussetzungen: Lesefähigkeit, Lesefreude, Zeit für das Gespräch über Bücher, Überwindung, auch negative Aspekte zu notieren und konstruktiv zu verpacken, Internetrecherche nach Rezensionsexemplaren, z.B. hier (große Verlage bekommen allerdings viele Anfragen!):

https://www.carlsen.de/blogger

https://rezi-suche.de/index/blogs.html

Diskussion, die dem Buch-für-umsonst kritisch begegnet: https://www.lovelybooks.de/thema/Rezensionsexemplare-erbitten-alles-umsonst-oder-wie–697192196/

Wenn Ihr einen facebook-Account habt, könnt Ihr ins Suchfenster eingeben: „Testleser gesucht“ oder „Rezension gesucht“ – dort wird sowohl von AutorInnen als auch von Verlagen gesucht.

Riesen-Fenstersterne

Vor ca. 2 Jahren verwickelte ich mich in ein vollkommen sinnloses, wenngleich ungemein befriedigendes „Wer hat den größten Fensterstern“ und schuf einen hellgrünen Traum mit einem Durchmesser von 104 cm. Safe, dachte ich.
Aber was ist in Zeiten von Wachstumsszwang schon safe? Und mag man in einem Waldorfkindergarten möglichweise von digitalen Disruptionseffekten verschont bleiben, so ist man es doch nicht vor Fenstersternvergleichen. Da hängt nun also eine Herausforderung im Eurythmiesaal, die gesamte Fensterbreite nutzend. Das Mittlerweile-Schulkind kann nicht anders, als beim Anblick dieser Sterndimension mit einem unausgesprochenen „Jetzt du, Mutter!“ zu reagieren.
Also musste ich die Proportionen der schönen Sterne von Frédérique Gueret auf eine Seitenlänge von 1m umrechnen, um auf einen Durchmesser von 2m zu kommen. Beim Falten statt Fingerspitzen und Messerchen nun Hände, Arme, Lineale einsetzen. Irren und neu beginnen.
Er hängt und bringt goldenes Licht ins Winterwohnzimmer. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo es größere Papierbögen gibt.

Die Faltanleitung stammt aus: Frédérique Guéret: Zauberhafte Fenstersterne, Stuttgart 2012, S. 111-112. Der Link für zu amazon, darum ist er Werbung.

Eine Professorin im Kinderbuch!

Hurra, ich habe sie gefunden: Meine erste Professorin in einem Kinderbuch. Seit Jahren suche ich für meine Töchter nach Rollenvorbildern im Kinderbuch. Irgendwie gab es im Kindersachbuch und auch in der Kinderbelletristik nur Professoren, meist alt und aus den Naturwissenschaften. Es gab aber keine Leute wie mich, also Wissenschaftlerinnen, mittelalt und aus den Kulturwissenschaften. Das ist natürlich nicht so archetypisch abzubilden, ich trage z.B. bei der Arbeit keinen weißen Kittel und habe auch noch nicht so weiße Haare wie Albert Einstein.

So fragte ich in inhabergeführten Buchhandlungen nach Büchern, in denen mal eine Wissenschaftlerin – und nicht nur als Assistentin – auftaucht. Und die Mitarbeiterinnen gaben sich wirklich Mühe – aus der Ritterschen in Soest bekam ich noch Wochen nach meiner Anfrage eine Antwort, so lange hatten sie gesucht!

Und nun las ich David Walliams: Die schlimmsten Kinder der Welt (Dieser Link ist Werbung). Ach, ich las nicht, ich versuchte, durch das Buch zu kommen, immer wieder kurz davor, es wegen des abzusehenden Ekels im nächsten Kapitel vielleicht doch besser zur Seite zu legen. Die Kinder in diesem Buch machen nämlich allerhand mit ihrem Sabber, ihren Läusen, ihren Popeln, ihrem Müll und natürlich ihren Pupsen. Vierjährigen Zuhörerinnen leuchten die Augen, endlich Inspiration!

Doch dann: Meine erste Professorin im Kinderbuch! Weißer Laborkittel! Brille! Strubbelige weiße Haare! Eine Alberta Einstein quasi, aber immerhin, sonst erkennt das natürlich auch kein erwachsener Vorleser. Frau Professorin (ohne weiteren Namen) erfindet eine Vorrichtung, um eine Porzellansammlung – ich fühle mich gleich zuhause 🙂  – vor einer Zappelphilippa zu schützen. Und weltfremd, wie sie gehörigerweise ist, bedenkt sie nicht, dass riesige Gummiblasen für Kinder eben auch hopsen, wenn sie angedotzt werden. Und so richtet die Erfindung der Professorin ein Pandemonium unter Vasen, Figuren und Tellern an.

Ich mag wirklich nicht empfehlen, dieses Buch zu lesen, es sei denn, Ihr seid nach den vielen Kinderkörperflüssigkeiten und anderen Hervorbringungen schon wieder lachbereit. Aber ins Regal stellen und ihm huldigen, das dürfte gehen!

Termine Januar 2019

25.1., 9-16 Uhr
Kulturwissenschaftlerinnen und Geld
Paderborn

Was sollten Kulturwissenschaftlerinnen über Geld wissen? Welche Einkommensarten gibt es? Wie unterscheidet sich die berufliche Geldpraxis im öffentlichen Dienst und in der „freien Wirtschaft“ – und was muss ich dafür wissen und können? Wie kann ich als Freiberufler*in/Selbstständige (auch in Nebentätigkeit) meine Liquidität und meinen Finanzierungsbedarf planen und Preise festlegen? Wie plane und wirtschafte ich, wenn ich nicht für mich allein verantwortlich bin?

Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Teilnehmerbegrenzung!
Teilnahmegebühr 85€ inkl. MwSt.

29.1., 9-14 Uhr
Vereinbarkeit von Studium/Promotion/Berufseinstieg und Kind(ern)
Paderborn

Elternzeit als Entwicklungsphase; Organisation und Finanzierung, Identifikation und Unterstützung von elternpositiver Arbeitsumgebung, Netzwerke
Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Babies willkommen, Teilnahmegebühr 55€ inkl. MwSt.

Kinder.Geld – das Buch

Herzlich Willkommen! Dies ist der Blog zu unserem Buch „Kinder.Geld“. Grundlage ist eine Wette. Seit vielen Jahren nun schreibe ich meinen Blog „Brotgelehrte“. Mir fällt einfach nicht ein, wie er gut laufen kann. Ich werde getröstet, der Content gelobt. In einem Frustmoment sagte ich, ich solle besser einen Mom-Blog schreiben, das sei vermutlich erfolgreicher.

Was nun zu beweisen ist.

Aber natürlich werde ich diesen Blog mit ebenso viel Ideen und Herzblut füllen, wie Brotgelehrte auch. Außerdem erleichtert es mir die Rollenteilung in „Seriöse, kopfgesteuerte Privatdozentin Dr. Menne“ und „Impulsive, intuitionsgesteuerte Mareike“.

Der Blog startet im Januar. Euch erwarten:

  • Tipps und Erfahrungsberichte zu finanzieller Bildung und finanzieller Erziehung, insbesondere für nichtgeschäftsfähige Kinder.
  • Tipps, Erfahrungsberichte und Gedanken zum allfälligen Thema Mutterschaft und Geldverdienen
  • Gedanken und Impulse zu großen Themen und Sorgen von Kleinen und Großen: Armut, Umweltzerstörung, Donald Trump (das letzte war ein Scherz).

Seid gespannt!